Dienstag, 28. Dezember 2021

Österreich End to End

Nein, es hat auch dieses Jahr wieder nicht funktioniert, unsere Radreise-Idee „Großbritannien End to End“ (von Land's End nach John o'Groats) umzuetzen, das verflixte Virus trieb weiter sein Unwesen und uns zu einem Plan B. Letztes Jahr lautete der Plan B „Deutschland End to End“, dieses Jahr war es dann „Ösiländ End to End“. Der westlichste Punkt Österreichs liegt in der Nähe von Feldkirch am Dreiländereck Schweiz/Liechtenstein/Österreich, der östlichste Punkt Österreichs liegt südöstlich von Bratislava am Dreiländereck Slowakei/Ungarn/Österreich. Selbstverständlich haben wir nicht die kürzeste Route zwischen diesen beiden Punkten gewählt, sondern versucht, ein Best Of schöner Streckenabschnitte und Orte zu erradeln. Für mich startete die Reise in Esslingen an der Haustür („an einem Tag von der Haustür an den Bodensee radeln“ stand auch auf der 2021-Bucketlist), Wolfgang ist in Lindau dazugestoßen. Von Esslingen bis nach Wien habe ich an 17 Tagen 1.721 Kilometer und 16.750 Höhenmeter erradelt. Die schönsten Fotos kann man im Online-Album durchklicken (für Bildunterschriften muss man auf das „i“ klicken).

Dienstag, 12. Januar 2021

Deutschland End to End

Auf die Radreise im Sommer 2020 hatten wir uns schon lange im Voraus gefreut. Wir haben sie lange im Voraus geplant, lange im Voraus gebucht, uns lange im Voraus mit Literatur eingedeckt und einen GPS-Track gebastelt. Eine tolle Radreise, vom einen Ende des Landes zum anderen Ende des Landes. End to End. Drei Wochen. Mehr als 2.000 Kilometer. 

Dann kam Corona. Und damit einhergehend Einreisebeschränkungen in Großbritannien. Unser Plan war es nämlich eigentlich, Großbritannien von End to End zu erradeln, von Südwestcornwall bis Nordostschottland. Aber nun musste ein Plan B her. Der da lautete: Warum nicht einfach Deutschland von End to End erradeln: Von Sylt bis Oberstdorf, an den Buchten der Ostsee entlang, der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze folgen und dann quer durch Bayern in die Berge. Von der Nordsee bis zu den Alpen, vom Holstein-Rind zum Allgäuer Grauvieh. 

Nach mehr als drei Wochen und mehr als 2.200 Kilometern lässt sich sagen: Es war ein toller Plan B! Wir haben gelernt, dass deutsche Küche auf dem Land wirklich noch deutsche Küche ist („och nö, nicht schon wieder Schnitzel!“) und dass das mobile Internet in Deutschland wirklich viel schlechter ist als in allen Reiseländern der Vorjahre. Wir wurden davon überrascht, dass wir die anstrengendsten Etappen an der Ostsee hatten und das schlechteste Bier in Bayern. Wir haben jeden Zug mit „tut tut“ und jeden Vogel mit „müpp müpp“ gegrüßt und in jede Unterführung „wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ gebrüllt (warum? Keine Ahnung). 

Die besten Kommentare von zufälligen Reisebekanntschaften zu unserer Tour waren „da geht man doch kaputt!“ und „was rauchen sie sonst so?“. Wie wir selber unsere Reise kommentiert haben, kann man in unserem Reisetagebuch nachlesen. Der Text ist zusammengebastelt aus Notizen und Whatsapp-Nachrichten, die wir während der Reise getippt haben. Die Fotos zeigen einen kleinen Ausschnitt von dem, was uns zwischen Sylt und Oberstdorf vor die Linse gekommen ist. Viel Spaß beim „Durchblättern“!

Empfehlung: PDF im Adobe Reader in Zweiseitenansicht anschauen und Deckblatt NICHT einblenden


Montag, 11. Januar 2021

Jahresrückblick 2021: Corona ist weg, Merkel ist noch da (Markus)

Das erste Doppeljahr in der Geschichte der Menschheit ist nun vorbei: Alles, was 2020 hätte stattfinden sollen, wurde 2021 nachgeholt. Da vergisst man fast, dass 2021 auch 2021 stattgefunden hat. 

Um zu begreifen, wie großartig 2021 war, muss man nochmal ein Jahr zurückblicken: Zu Beginn des Jahres 2021 war Donald Trump noch US-Präsident und hetzte einen wilden Mob ins Kapitol; gegen die weltweite Corona-Pandemie begannen gerade erst die ersten Impfungen, sodass an uneingeschränktes Reisen oder Feiern noch nicht zu denken war; im Jemen und in Syrien herrschte noch immer Krieg, obgleich sich die westliche Medienwelt dafür schon längst nicht mehr interessierte. 

 

Das Trumpeltier ist weg.

Nun also ist Anfang 2022 und wir blicken zurück auf ein verdammt erfolgreiches Jahr: Wir freuen uns über den im wahrsten Sinne des Wortes demokratischen Präsidenten Joe Biden; wir sind erleichtert, dass dank weltweiter Impfungen die Pandemie beendet wurde; und wir danken den erfolgreichen Friedensvermittlern im Nahen Osten. 

Die Bundestagswahl 2021 

Politisches Highlight des Jahres war natürlich die Deutsche Bundestagswahl. Einerseits ist das erwartbare passiert: Eine schwarz-grüne Koalition wird Deutschland nun ins 21. Jahrhundert führen und die Themen Digitalisierung und Klimaschutz endlich ernsthaft anpacken. Spannend war vor allem die Frage: Wer wird Kanzler*_in? Die SPD ist traditionellerweise mit einem alten weißen Mann mit S auf die Nase gefallen; die Grünen hatten mit Annalena Baerbock erstmals eine eigene Kanzlerkandidatin aufgestellt; die CDU/CSU ist aber mit deutlichem Vorsprung stärkste Fraktion geworden. Nur: Wer wird jetzt Kanzler? 

Die Wahl wurde in der Mitte entschieden.
 

Im Frühjahr 2021 hatte sich die CDU ja – warum auch immer – für Friedrich Merz („ich traue mir jedes Amt dieser Welt zu“) als neuen Parteivorsitzenden entschieden. Damit waren Armin Laschet („ich habe nie gesagt, dass ich mir dieses Amt nicht zutrauen würde“) und Norbert Röttgen („in mir reifte in der jüngsten Vergangenheit zunehmend die Erkenntnis, dass die Übertragung dieses Amtes an meine Person eine für unser Land hilfreiche, wenn nicht gar absolut notwendige Entscheidung sei“) raus aus dem Kanzlerrennen. Jens Spahn („niemand traut mir dieses Amt so sehr zu wie ich selber“) sowieso. Im Sommer befand sich Deutschland also im Vormerz, alles lief auf Friedrich Merz als Kanzler raus. Der Teil der Union, der sich mit dem 21. Jahrhundert durchaus anfreunden kann und anders als Friedrich Merz in Coronazeiten die Lektion gelernt hat, dass der Markt doch nicht alles von ganz alleine löst, versuchte indes, doch noch Markus Söder („ich traue mir jedes Amt zu, solange es ein bayerisches Amt ist“) zur Kanzlerschaft zu bewegen. Söder blieb aber bei seinem alten Mantra: „Mein Platz ist in Bayern.“ 

Es kam, wie es kommen musste: Edmund Stoiber lud Angela Merkel, Friedrich Merz und Markus Söder zu sich nach Wolfratshausen ein, wo beim Weißwurstfrühstück die Kanzlerschaft geklärt wurde. Ergebnis: Merz ist raus, Söder macht es. Aber überwiegend vom Bayerischen Homeoffice aus, damit er behaupten kann, sein Wort gehalten zu haben. Da hierfür aber erst die Verfassung geändert werden muss, übernimmt interimsmäßig: Angela Merkel („Sie kennen mich“). Ja, sie hängt doch noch ein Jahr dran. Was der CDU wohl die entscheidenden Punkte für den überraschend deutlichen Wahlsieg beschert hat. Und ihr die Möglichkeit bietet, mit am Ende 17 Jahren die Kanzlerschaftsdauer von Helmut Kohl doch noch zu überbieten. Und, noch wichtiger: Sie konnte Friedrich Merz nochmal richtig eine in die Fresse geben. 

Ein illustres Kabinett wird Deutschland nun durch die nächsten vier Jahre führen: Außenminister Norbert Röttgen, Finanzminister Friedrich Merz, Klimaschutzministerin und Vizekanzlerin Annalena Baerbock – im Klimaschutzministerium geht u.a. das bisherige Wirtschaftsministerium auf –, Verkehrsminister Anton Hofreiter, Landwirtschaftsminister Robert Habeck, Innenminister Joachim Herrmann, Digitalisierungsminister Philipp Amthor (der hierfür einen Beratervertrag mit Rezo abgeschlossen hat). AKK bleibt Verteidigungsministerin, weil die Union sonst niemanden hat und die Grünen den Wehrdienst verweigern. Neuer bayerischer Ministerpräsident wird Andreas Scheuer (ähnlich wie bei der SPD muss es auch bei der CSU immer ein Mann mit S sein).  

Das Sportjahr 2021 

Manuel Neuer verabschiedet sich nach der EM aus der Nationalmannschaft, er will nur noch rot und weiß.

Nach dem kläglichen Scheitern der Nationalmannschaft bei der EM – und das, obwohl Boateng und Hummels doch noch in den Kader zurückgeholt wurden – wird wie erwartet Jürgen Klopp neuer Bundestrainer. Seine einzige Bedingung hat ihm der DFB gerne erfüllt: „Nur, wenn Bierhoff auch gefeuert wird. Ich brauch diesen Kasper nicht, ich bin selber ein Kasper.“ 

Die Olympischen Spiele in Tokyo haben niemanden so richtig interessiert, weil alle einfach nur froh waren, endlich wieder ihre Freunde zu treffen, zu feiern und verreisen zu können. Fernsehen geschaut hatte man in den Monaten davor genug.  

Und sonst so?  

Was ist 2021 sonst noch so passiert? In Italien regiert nach zwei Regierungszusammenbrüchen innerhalb eines Jahres nun wieder Matteo Renzi. Schottland hat die Parlamentswahl am 6. Mai mit einem Unabhängigkeitsreferendum verbunden – mit dem eindeutigen Ergebnis, dass Schottland unabhängig werden und in die EU zurückkehren möchte. Die AfD hat Jörg Meuthen rausgeschmissen, der nun eine eigene Verbindung namens VPN aufbauen will („Vernünftige Populisten Neo“). Wattestäbchen wurden 2021 verboten, Bernd Höcke hingegen darf immer noch frei rumlaufen. 

CSU und AFD sind wieder unterscheidbar geworden.
Wie es im Jahr 2022 wohl weitergeht mit Politik, Sport und sonstigem Gedöns? Hier wird man es wie gewohnt vorträglich nachlesen können.

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Sonntag, 1. November 2020

Corona hat alles zerstört. Auch unsere Vorurteile.

Unsere Opas haben uns vom Krieg erzählt. Wir werden unseren Enkeln von Corona erzählen. Das Virus, das vorübergehend alles zerstört hat, sogar unsere Vorurteile. 

Was war unser Leben so normal, bevor dieses Virus kam: Wir sind morgens zur Arbeit gefahren und abends wieder zurück. Am Wochenende waren wir feiern. Im Urlaub haben wir uns in anderen Ländern unsere Klischees und Vorurteile über andere Völker bestätigen lassen. Die chaotischen Südeuropäer, die korrupten Osteuropäer, die peniblen Skandinavier – kein Wunder, dass sich die EU nur streitet und nie eine sinnvolle Lösung findet, wenn nicht alle so zielstrebig und fleißig sind wie wir Deutschen. Nach zwei Wochen Laissez-faire oder Dolce Vita sind wir wieder zurückgefahren ins teutonische Vaterland und haben unser Spießerleben weitergelebt.

Dann kam Corona. Und plötzlich ist alles anders. ALLES. Wir fahren nicht mehr zur Arbeit, weil ein Homeoffice-Antrag jetzt nicht mehr drei Monate lang bearbeitet wird, sondern Home-Office von heute auf morgen verordnet wird. Wir gehen nicht mehr feiern, weil das die Viren-Ausbreitung beschleunigen würde. Wir fahren nicht mehr in den Urlaub, weil es plötzlich keine Reisefreiheit mehr gibt. Rottach-Egern statt Rimini, Paderborn statt Paris – die Deutschen müssen 2020 ohne Laissez-faire und Dolce Vita auskommen, sondern sich stattdessen an strenge Coronaregeln halten, während im Süden weiterhin das Chaos und im Osten die Korruption herrschen. Oder?

Nein! Wer verhängt einen strengen Lockdown mit de facto Hausarrest? Etwa die peniblen Skandinavier? Nein, die Franzosen und Italiener machen das. Und halten sich daran. Während die Schweden auf dem Weg zur Herdenimmunität über ziemlich viele Leichen gehen - Hauptsache, sie müssen nicht ihr geselliges Leben im öffentlichen Raum einschränken (ihr WAS?). Und die zielstrebigen, fleißigen Deutschen? Die setzen sich Aluhüte auf, ignorieren vom Staat verhängte Verordnungen und riskieren als selbsternannte „Querdenker“ Menschenleben. Deutschland verheddert sich in einem bizarren Föderalismuswirrwarr, bei dem Bewohner des Landkreises Gütersloh nicht mehr in Bayern übernachten dürfen, in Sachsen-Anhalt aber schon, während sich die Italiener an die landesweit einheitlichen Regeln des starken Staates halten. Die Italiener! Starker Staat! Ein starkes Stück. 

„Abgesagt“ ist angesagt im Jahr, in dem alles anders ist.

Hoffentlich landet Corona bald im Müll.

Auch Hans und Gerlinde mussten wegen Corona schließen.

 

Alles ist anders, als es vorher war. Wenigstens auf die EU scheint zu Beginn der Pandemie Verlass zu sein: Auch auf digitalen Konferenzen kommt sie zu keinen sinnvollen, mutigen Beschlüssen. Also alles wie immer, nur digital? Mitnichten: Die EU ringt sich dazu durch, gemeinsam – ich wiederhole nochmal: GEMEINSAM! – Impfstoffe zu bestellen und diese auf die 27 Mitgliedsländer zu verteilen. Und zwar – jetzt kommt’s! – nach dem Schlüssel der Einwohnerzahl: Je mehr Einwohner ein EU-Staat hat, desto mehr Impfstoffe kriegt er. Das ist so einfach wie genial – war bei der Verteilung von Flüchtlingen aber bislang völlig undenkbar. 

Nochmal zum Mitschreiben: Die Italiener folgen ihrem funktionierenden Staat, während die Deutschen irrationalen Argumenten folgen und sich in der Spießbürger-Hauptstadt Stuttgart eine „Krawall-Nacht“ mit gewalttätigen Ausschreitungen ereignet. Die EU fasst indes Beschlüsse, die eine sinnvolle Verteilung auf alle Mitgliedsländer vorsehen. Und welches der EU-Mitglieder ist besonders gut durch die erste Welle der Pandemie gekommen? Genau, Griechenland. 

Was ist mit unseren Klischees passiert? Wie konnten all unsere Vorurteile widerlegt werden? Was hat dieses verdammte Virus da angerichtet? Da muss irgendwas falsch programmiert worden sein, die 0en sind plötzlich 1en und die 1en sind plötzlich 0en. Wer kann dafür nur verantwortlich sein? Wer kann so gut programmieren, dass er alle unsere Vorurteile außer Kraft setzen kann? 

Die Antwort ist so eindeutig wie beängstigend: Bill Gates ist schuld.  

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Samstag, 11. April 2020

Die Welt nach dem Virus


Esslingen, 30.03.2021 – Die lang ersehnte Nachricht der WHO ist da: Der Impfstoff gegen COVID-19 ist zugelassen. In den nächsten Wochen werden Millionen von Menschen – beginnend mit Risikopatienten – geimpft werden und ein für alle Mal immun sein gegen das Corona-Virus, das die ganze Welt fast eineinhalb Jahre lang beschäftigt hat. Corona ist nun also endlich kein lebensgefährliches Virus mehr, sondern nurmehr ein kopfschmerzverursachendes mexikanisches Bier.

Es ist also Zeit, die Frage zu stellen: Was ist geblieben von der Pandemie? Natürlich großes Leid in den zahlreichen Familien, die Angehörige verloren haben. Eine weltweit gestiegene Arbeitslosigkeit, weil viele insbesondere kleinere Geschäfte nach dem Shutdown nicht wieder geöffnet haben. Die Staatsverschuldung ist fast überall gestiegen und somit die Vulnerabilität: Bei der nächsten vergleichbaren Krise werden viele Länder nicht mehr in der Lage sein, finanziell derart großzügig zu reagieren – aber vielleicht ist das ja auch gar nicht mehr nötig? 

Nicht, dass es nicht ähnliche Pandemien auch in Zukunft geben kann. Aber das Verhalten von uns allen hat sich in den letzten eineinhalb Jahren derart stark verändert, dass die nächste Krise wohl weniger tödlich sein wird. Auch in Europa ist es nun endlich üblich, dass Erkältete mit Mundschutz in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Sich in die Hand zu nießen (und mit der Hand dann später Gegenstände im öffentlichen Raum anzufassen) – ist nun weltweit geächtet. Lebenswichtige Produkte werden auch wieder in Hochlohnländern produziert. Überhaupt hat sich in der Corona-Krise herauskristallisiert, dass Gesundheit wichtiger ist als Profite. Nur so ist zu erklären, dass der deutsche Staat private Krankenhäuser wieder verstaatlicht hat. Es geht nicht nur im deutschen Gesundheitssystem nun wieder vermehrt darum, Menschen zu heilen, Angestellte menschenwürdig zu behandeln und Kapazitäten für den Ernstfall vorzuhalten. Die Zeit der Fallprämien für sinnlose Operationen ist vorbei, die Zeit für eine Bürgerversicherung anstelle der bislang vorherrschenden Zweiklassenmedizin scheint gekommen. 

Endlich darf man auch wieder das Haus verlassen, um links oder rechts abzubiegen.


Auch gesellschaftlich hat sich einiges geändert: Lehrer und Pflegekräfte werden seit der Krise deutlich höher angesehen – letztere auch endlich deutlich besser bezahlt. Viele Eltern mussten in der quälend langen Phase der Schulschließung einsehen, dass ihre kleinen Kackbratzen doch keine Wunderkinder sind. Und Väter im Homeoffice haben erstmals verstanden, wie viel Arbeit Hausarbeit ist. Überhaupt Homeoffice: Das Arbeitsleben in Deutschland hat sich stark verändert. Die Zahl der Menschen, die zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, hat sich auf ein Maß erhöht, das vorher nur aus Skandinavien und den Niederlanden bekannt war. Plötzlich geht vieles digital, wofür vorher lange Dienstreisen und kurze Flüge nötig waren. 

Nicht nur der stark gesunkene Flugverkehr hat 2020 zu einem Jahr gemacht, in dem sich die Natur vom Menschen erholen konnte. Vieles spricht dafür, dass ein paar der Umweltschutzerrungenschaften erhalten bleiben: Jetzt, wo sich Videokonferenzen flächendeckend durchgesetzt haben, wird es weiterhin weniger Dienstreisen geben als vor der Pandemie. Und jetzt, wo die Menschen in chinesischen Großstädten mal wieder wissen, wie sich saubere Luft einatmet und die verblieben Bewohner von Venedig wieder wissen, wie saubere Kanäle ausschauen, wollen sie diese Errungenschaften unbedingt beibehalten und setzen sich vehement dafür ein. 

Ein tödliches Virus als Blaupause für die Rettung des Planeten? Um das beurteilen zu können, ist es noch zu früh. Aber dass Donald Trump und Boris Johnson die Corona-Krise politisch nicht überlebt haben, dürfte für künftige internationale Umweltschutzvereinbarungen eine gute Nachricht sein.

Solche Fotos konnte man 2020 an vielen Orten machen, auch in Esslingen


Wer die Corona-Krise nach anfänglichen Schwierigkeiten gut überstanden hat, ist die Europäische Union. Lange hatte es gedauert, bis sich Europa solidarisch gezeigt und Spanien und Italien großzügig unterstützt hat, letztendlich dann ja doch auch mit Euro-Bonds, auch wenn die auf deutschen Wunsch hin nicht so heißen durften. Auch die EU-skeptischen Regierungen in Polen, Ungarn und der Slowakei profitieren davon, dass in der EU produzierte Schutzmasken und Beatmungsgeräte innerhalb der Union nach Bedürftigkeit verteilt wurden und wohl auch künftig werden. Die Erkenntnis, dass man nur gemeinsam stark ist, hat sich am Ende durchgesetzt.

Wie wir heute wissen, war die Nation in Europa mit den meisten Todesopfern nicht Spanien oder Italien, sondern das Vereinigte Königreich. Unterstützung aus der EU hätte sicher geholfen, aber aus der ist man ja kurz vor Ausbruch der Krise ausgeschieden. Umfragen zufolge wünschen sich aktuell 73 % der Briten eine Rückkehr in die Europäische Union. Die Braccess-Debatte ist eröffnet.

Wir warten also darauf, wie sich die Debatte in Großbritannien weiterentwickelt. Freuen uns auf Europameisterschaft und Olympische Spiele, die ja nun bald nachgeholt werden. Und ignorieren hoffentlich die Ignoranz der Impfgegner, die mit ihren irrationalen und egoistischen Argumenten auch gegen die COVID-19-Impfung trommeln. Ein kleiner Pieks tut nicht weh, kann aber Menschenleben retten und das Gesundheitssystem entlasten. Nun ist der Pieks endlich zugelassen. 

Das Leben mit Corona ist beendet, wir können unsere Sehnsucht nach Süden wieder ausleben.

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Sonntag, 29. März 2020

Bozen - Berlin: Ein Fotobuch

Seit mittlerweile 20 Jahren gestalte und beschrifte ich Fotoalben von meinen Ausflügen und Reisen. Früher noch ausgedruckt im Format 10x15 cm, mittlerweile meist ausschließlich digital. Ein Vergleichsfotobuch habe ich hingegen noch nie gemacht. Wie kam ich auf die Idee? Dafür gibt es zwei Ursachen.

Erstens: Es war eine Fahrradtour entlang der Bozner Europaallee, bei der ich mir dachte: Wow, hier schaut’s ja aus wie in Berlin. Da könnte man Fotos machen, bei denen es gar nicht so leicht zu erraten ist, ob das Foto in Bozen oder in Berlin gemacht wurde.

Zweitens: Ich habe das Fotobuch „Frankfurt – New York“ von Torsten Andreas Hoffmann gekauft und gelesen. Auf jeder Doppelseite ist in diesem Buch ein Foto aus New York einem Foto aus Frankfurt gegenübergestellt, mit jeweils ähnlichem Motiv.

Und da war sie, meine Idee: Ich will auch so ein Fotobuch machen, aber nicht mit New York und Frankfurt, sondern mit Berlin und Bozen. Und natürlich mit deutlich unprofessionelleren Fotos. In Berlin habe ich fast sieben, in Bozen fast fünf Jahre lang gelebt und jeweils so ziemlich jede Ecke der Stadt erkundet. Da dürfte es mir doch nicht schwer fallen, ein paar Vergleichsfotos zwischen den beiden Städten zu machen?

Torsten Andreas Hoffmann schreibt in der Einleitung zum oben erwähnten Buch: „Ist es nicht ein wenig vermessen, die Mainmetropole mit ihren etwas mehr als 670.000 Einwohnern mit der Gigantenmetropole New York zu vergleichen? Natürlich ist das vermessen, und deshalb möchte ich gleich am Anfang klarstellen, dass es mir in keinem Fall um eine Gleichsetzung dieser beiden Metropolen geht.

Natürlich wäre es ebenso vermessen, Bozen mit Berlin zu vergleichen, weshalb auch ich keine Gleichsetzung der beiden Großstädte anstrebe: Anders als Bozen hat Berlin weder eine vollständig erhaltene Altstadt, noch mittelalterliche Burgen, noch 300 Tage Sonne pro Jahr. Berlin freut sich, dass man seit kurzem endlich innerhalb von vier Stunden in München ist – von Bozen aus ist man schon lange in vier Stunden in München! Drei Flüsse kriegt Berlin vielleicht noch zusammen, aber keine drei Seilbahnen; kulinarisch kann Currywurst-Berlin mit Dolce-Vita-Bozen auch nicht mithalten. Südtirol ist für mich kulinarisch ohnehin der beste Ort der Welt: Nach Norden hin wird der Kaffee schlechter, nach Süden hin wird das Bier schlechter.

Gemeinsamkeiten zwischen Bozen und Berlin gibt es natürlich durchaus: Die Verwaltungen sind ähnlich „effizient“ und die Unfähigkeit des innerstädtischen öffentlichen Nahverkehrs, auch bei schlechtem Wetter zu funktionieren, ist vergleichbar. Berlin war geteilt in West und Ost, Bozen ist geteilt in Deutsch und Italienisch; Was in Berlin die Mauer war, ist in Bozen die Talfer.

Meine Rechercheaufgabe für dieses Buch bestand darin, zu sammeln, welche Dinge oder Namen es in beiden Städten gibt, sodass man diese fotografisch gegenüberstellen kann. Aber viele schöne Dinge gibt es in Berlin einfach nicht: Es gibt in Berlin nicht einmal eine Museumstraße, geschweige denn eine Oswaldpromenade. Und auch eine Temple Bar findet man nur in Bozen.

Bozen ist umgeben von der Provinz Bozen, in Deutschland besser bekannt als „Südtirol“. Eine der schönsten, wirtschaftlich stärksten und lebenswertesten Regionen Europas. Und Berlin? Sobald man die Stadtgrenze überquert hat, steht man in Brandenburg. Gähnende Leere und wirtschaftliche Trostlosigkeit, wunderbar zusammengefasst im gleichnamigen Lied von Rainald Grebe („Steh’n drei Nazis auf nem Hügel und finden keinen zum Verprügeln – in Brandenburg“).


So, genug der Satire (ja, liebe Berliner, das war Satire. Ich liebe Brandenburg!). Natürlich kann man eine Provinzhauptstadt nicht mit einer Weltstadt vergleichen. Umso überraschender ist es, dass es so viele Gemeinsamkeiten gibt, von Straßennamen bis hin zu manchen Häuserfassaden. Sicherlich gäbe es noch viel mehr „ähnliche Motive“ zu entdecken, manche davon habe ich auch schon auf meiner Ideenliste, bin aber noch nicht dazu gekommen, die entsprechenden Fotos vor Ort zu machen. Dieses Buch hier ist also kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine Anregung, weitere Gemeinsamkeiten zu finden und zu fotografieren. Wer weitere Ideen hat, kann mir die gerne schicken oder auf www.markus-belz.eu kommentieren.

Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Betrachten der Bilder - auf dass sie dazu anregen mögen, bald mal wieder nach Berlin oder Bozen zu reisen und sich die spannenden Seiten dieser beiden schönen Städte anzuschauen. Hier kann man das Fotobuch downloaden.


Empfehlung: PDF in Zweiseitenansicht anschauen und Deckblatt einblenden

2019: Unterwegs mit GPS-Gerät und Kamera

Ich wohne wieder in Deutschland und habe mich in Esslingen/Stuttgart gut eingelebt.
Ich habe die Zweisprachigkeitsprüfung (Deutsch/Italienisch) C1 bestanden.
Ich habe einen Roman veröffentlicht.

So meine persönliche Jahresbilanz 2019.

Die persönliche Jahresstatistik:

• Ich habe 12 Länder bereist (Italien, Österreich, Deutschland, Vereinigte Arabische Emirate, Japan, Südkorea, Tschechien, Kroatien, Slowenien, Portugal, Luxemburg, Belgien)
• Ich bin 3.806 Kilometer Fahrrad gefahren
• Ich habe 1.972 Fotos in Online-Fotoalben beschriftet.

Alle 1.972 Fotos kann man hier durchklicken:

https://photos.app.goo.gl/qE49kJx4AJPCGRQ96


https://photos.app.goo.gl/ZMipc6trLhoEfWha7


https://photos.app.goo.gl/6QuriaDcU6GUgf2e9
  
https://photos.app.goo.gl/KSDVPgednC8tXjBH8


Wie schon im Vorjahr dürfen natürlich die Karten meiner aufgezeichneten GPS-Tracks nicht fehlen. Im Folgenden mein 2019 in der Rheinenfolge Welt, Europa, Großraum Stuttgart und Stuttgart-Esslingen: 





Auf mich wartet nun ein neues Fahrrad - auf dass ich es 2020 endlich mal wieder schaffen werde, mehr als 5.000 Fahrradkilometer zu sammeln. Ich bin gespannt, was 2020 alles passieren wird. Einen ersten Rückblick habe ich ja bereits gewagt.