Dienstag, 18. Oktober 2022

Eisenbahn in Kroatien: Šibenik - Split

Eine Szenerie wie in einem Clint Eastwood-Western. Wir stehen an einem verlassenen Bahnhof. Der Fahrkartenschalter ist geschlossen; die Toilette ist geschlossen; niemand hier. Ob heute wirklich noch ein Zug fahren wird am Bahnhof Šibenik? Wir sind gespannt. 


Irgendwann rumpelt es am Bahnsteig. Tatsächlich: Ein kleiner Triebwagen kommt angeschaukelt. Er ist in die Jahre gekommen und vollgesprayt, aber es gibt ihn wirklich.

„Kalkmar Verkstad 1981“ steht auf der Plakette neben der Eingangstür. Der Triebwagen kommt also aus Schweden und ist über 40 Jahre alt. Eine gute Klimaanlage hat er nicht, aber Charme hat er. Man kann wählen zwischen Fenstern, durch die unerbittlich die Sonne knallt und Fenstern, die so zugesprayt sind, dass man fast nicht mehr rausschauen kann. Ich wähle Option 1 und schwitze vor mich hin, während ich den Blick über Olivenbäume, Steinmauern und Industrieruinen schweifen lasse.


Der kleine schwedische Triebwagen schaukelt uns zwei deutsche Touristen und ein paar Handvoll Einheimische durch das kroatische Hinterland. Mitten zwischen den Olivenbäumen liegt auf einmal ein kleines Boot. Weit und breit kein Wasser in Sicht. Das Boot hat hier irgendwann mal jemand abgestellt. Warum auch immer. Ein paar hundert Meter weiter steht ein alter Wohnwagen zwischen den Bäumen. Weit und breit keine Straße in Sicht. Den Wohnwagen hat hier irgendwann mal jemand geparkt. Warum auch immer.

Man könnte jetzt im Botanik-Lehrbuch „mediterrane Vegetation“ nachschlagen und nachlesen, was wir so alles sehen, wenn wir aus dem Fenster schauen. Hier wächst alles, was in diese Kategorie gehört. Nach einer stundenlangen Autofahrt mit Blick auf Asphalt, Verkehrsschilder, Gewerbegebiete und andere Autos genieße ich es, einfach nur Natur zu sehen. Oder das, was der Mensch daraus gemacht hat: Feldsteinmauern und Olivenbaumplantagen sind ja nichts natürliches, es ist Kulturlandschaft. Eine der schönsten, die in Europa geschaffen wurden. 


Je weiter sich der Zug den Hang hinaufschraubt, desto mehr wird die Vegetation durch Steine ersetzt. Heller Kalkstein prägt die umliegenden Hügel. Schwarzes Gehölz zeugt von einem Waldbrand.

„Kannst du bitte mal nachschauen, wann wir umsteigen müssen? Ich hab kein Internet.“ - Kurze Recherche. - "HIER, das müsste es sein!" – Hals über Kopf stürmen wir aus dem Zug. Die Schaffnerin hatte also doch uns gemeint, als sie zum ersten Mal auf der Fahrt einen Stationsnamen (Perković) angesagt hat.

Der Bahnhof Perković ist so schön, man müsste ihn erfinden, wenn es ihn nicht gäbe. Die sieben Minuten Umstiegszeit sind Eisenbahnromantik pur. Dieseltriebwagen aus drei Richtungen treffen sich, alle drei auf die Minute pünktlich. Das Fahrpersonal schwätzt ein bisschen miteinander. Am Ende des Wasserschlauches steht eine ältere Dame und erfrischt sich. Man zeigt uns unbeholfenen Touristen, welcher der drei Züge nach Split weiterfährt. Dann kann es für alle weitergehen und der Bahnhof für die nächsten Stunden ungestört weiterschlafen.


Der Triebwagen nach Split ist deutlich moderner – und sehr vertraut: Blaue Sitze mit schwarzen Vierecken. Die kennen wir doch? Das Sitzmuster der Deutschen Bahn. In der Tat wurden diese „Pendolino“-Triebwagen der kroatischen Baureihe 7123 aus einer für die DB gebauten Serie entnommen.

Indem wir die Küste verlassen haben, haben wir uns in ein anderes Zeitalter gebeamt. Kleine Dorfbahnhöfe mit Bahnhofsvorstehern erwarten mehrmals am Tag einen Zug, der hier vor der alten Telefonleitung kurz zum Stehen kommt. Gute alte Zeit. Die Reben rund um den Bahnhof hängen voller Trauben. Da läuft einem im Vorbeifahren das Wasser im Mund zusammen.

Preslo ist so ein Bahnhof, bei dem man nicht versteht, warum hier ein Bahnhof ist. Weit und breit ist kein Dorf zu sehen. Niemand steigt ein, niemand steigt aus. Aber aus Prinzip bleiben wir stehen.

Vor Prgomet geht es durch einen kurzen Tunnel. Danach ist die Landschaft endlich mal ein bisschen langweiliger, sodass ich Notizen zur Fahrt machen kann. Aber es ist absolut verständlich, dass jeder, der schonmal mit dem Zug nach Split gefahren ist, von der Bahnfahrt dorthin schwärmt. Diese Strecke ist ein Traum.

Der magische Moment der Fahrt ist der, als die Tunnelwand endet und man plötzlich und unerwartet auf die Adria blickt. Die Einheimischen im Zug müssen mich für völlig bekloppt halten: Warum läuft der Typ mit der Kamera in der Hand von Fenster zu Fenster und fotografiert ständig in unterschiedliche Richtungen? – Weil es unglaublich toll aussieht! Alles hier ist schön! Die Vegetation, die Berge, die Adria. Sogar die Klimaanlage gefällt uns. 



In weiten Schleifen durch Felseinschnitte und über hohe gemauerte Dämme windet sich die Strecke hinab ans Meer. Man blickt auf das überraschend große Split und mehrere unterschiedlich große Inseln. Vorbei an großen Industriekomplexen, mit Vollgas durch einen letzten Tunnel, dann kommt der Triebwagen am Endbahnhof Split zum Stehen. Schade, dass wir schon da sind. Auf dieser Strecke könnte ich noch ewig weiterfahren.




Donnerstag, 1. September 2022

Mit der Westbahn von München nach Wien

Wir erschrecken kurz, weil der Zug nicht auf dem Abfahrtsanzeiger steht. Später taucht er doch auf. Und startet am Starnberger Flügelbahnhof. Also muss man sich den Zug erstmal erarbeiten mit einem langen Fußmarsch durch den Münchner Hauptbahnhof. 

Am Bahnsteig erwartet uns ein Doppelstock-Triebzug (KISS 3 von Stadler, Baujahr 2021). Was als erstes auffällt: Die breite Eingangstür. Wow. Kein Vergleich mit den gewohnten engen Türen von ICE und Railjet. 


Die reservierten Plätze sind schnell gefunden. Bei der Westbahn scheint es also Standard zu sein, dass der Wagen, in dem man reserviert ist, auch wirklich dabei ist (kleiner Seitenhieb zur Deutschen Bahn muss sein). Während der Fahrt werden wir merken: die Reservierungsanzeigen zeigen den Zugbetreuerinnen, für welchen Streckenabschnitt auf diesem Sitzplatz eine Fahrkarte gescannt wurde. „Personalwechsel, die Fahrscheine bitte!“ braucht es bei der Westbahn also nicht.


Der Sitz ist sehr bequem, auf die Armlehne passt tatsächlich ein Arm, der Tisch ist groß, es gibt ein praktisches Gepäcknetz am Vordersitz, es gibt für jeden Sitz eine Steckdose: Tippitoppi. Mal wieder fragt man sich: Warum muss der ICE4 so besch* sein? Es würde auch anders gehen. 


Einziger Wermutstropfen: Der Platz fürs Gepäck im Obergeschoss ist sehr begrenzt. Wir kriegen es gut hinter der hintersten Sitzreihe unter, aber bei vielen Reisenden mit viel Gepäck würde es schwierig werden. 


Die Toilette ist auffallend sauber. Anscheinend macht die Westbahn am Zielbahnhof die Toilette sauber, bevor sie den Zug wieder auf die Reise schickt. Sollte eigentlich Standard sein, ist aber leider überraschend.

Es wird nach Frauen- und Männerklo unterschieden, in letzterem gibt es auch ein Pissoir. Unnötig, aber schon auch irgendwie witzig.


Eigenen Speisewagen hat die Westbahn nicht, aber einen Automaten mit Essen und Getränken. Die Ottakringer-Dosen lachen mich an. Der Kaffeeautomat auch. Können wir ja später mal testen. 


Jetzt erstmal Platz nehmen und den Blick aus dem Fenster auf München und die Isar genießen. Großer Beinabstand, und jeder Fensterplatz ermöglicht tatsächlich einen Blick aus dem Fenster. Erster Eindruck nach ein paar Minuten: Warum kann nicht jeder Zug so sein wie die Kiss-Züge der Westbahn?

Das Passagieraufkommen ist angenehm niedrig, es gibt viele freie Sitzplätze. Anders als bei den beiden 9-Euro-Sardinenbüchsen heute Vormittag.

Nach dem Halt in München Ost stört ein regelmäßiges klopfendes Geräusch. Ursache unklar. Es hört aber irgendwann auch wieder auf. 

Ohne weiteren Zwischenhalt geht es durch das bayerische Voralpenland. Die Brücke in Traunstein ist einfach jedes Mal aufs Neue schön. 

 

Den Chiemsee sieht man leider nur kurz, dafür hat man aus dem anderen Fenster quasi durchgehend schöne Blicke auf die Chiemgauer Alpen. Zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass ich die für die Erstellung eines Wanderführers erklimmen durfte.


Wir überqueren die Saalach. Und somit die Grenze nach Österreich. Spätestens jetzt hat niemand mehr eine Maske auf. Kurz darauf überqueren wir auch die Salzach, jetzt muss man nach in Fahrtrichtung rechts schauen, um Salzburg und die Festung Hohensalzburg zu sehen. Aus einem Doppelstockwagen-Obergeschoss kann man diesen Blick erst genießen, seit die Westbahn bis nach München durchfährt.


Bald nach der Abfahrt in Salzburg machen wir es uns in der Café-Ecke gemütlich. Der Automat spuckt zwei Wasserflaschen zum Preis von einer aus. Der Cappuccino ist keine Offenbarung, aber auch hier gilt: Immerhin besser als im ICE. 


Richtung Alpen sieht es nach Regen aus. Kann uns egal sein, wir haben ein Dach über dem Kopf. 

Nach dem Snack geht's zurück ins Obergeschoss. Vöcklabruck. Attnang-Puchheim. Wels. Baustellen bremsen den Zug aus und erhöhen die Verspätung, mit letzter Kraft schleppt sich die Stadler-Garnitur in den Hauptbahnhof von Linz. Hier füllt sich der Waggon merklich. Es wird deutlich: Von Linz nach Wien ist die Bahn konkurrenzfähig. Seit die „Neue Westbahn“ hier für 230km/h ausgebaut wurde, muss man schon sehr autoaffin sein, um nicht auf die bequeme Bahn umzusteigen.


Die Züge des Unternehmens Westbahn fahren auf der Westbahn zwar „nur“ 200km/h, nach dem Gebummel der letzten Stunden fühlt sich das aber fast nach Lichtgeschwindigkeit an. Ein letzter Blick auf Pöstlingberg und Stahlwerk, dann beschleunigt der Zug und rauscht dem ersten längeren Tunnel entgegen. Amstetten. Zwischen zwei Tunnels erhascht man einen kurzen Blick auf das berühmte Stift Melk. In St. Pölten erhascht einen Blick auf den Schmalspurzug der Mariazellerbahn.


Die Druckdichtigkeit im Wienerwaldtunnel ist nicht herausragend, die Schnelligkeit, mit der wir nach Wien gelangen, schon. Die Verspätung reduziert sich bis zum Zielbahnhof auf 8 Minuten. Ein letzter Halt in Wien-Hütteldorf. Auf dem Bahnsteig Otto Wagner-Grün. Nun sind wir schon im Wiener U-Bahn-Radius. Noch ein kurzer Sprint für den spurtstarken Triebzug, dann erreichen wir den Wiener Westbahnhof. Ja, die Westbahn endet am Westbahnhof. Nomen est Omen. Soll der Railjet ruhig zum Stahl-Glas-futuristischen Hauptbahnhof durchrauschen, wir betreten Wien durch die monumentale Nachkriegshalle des Westbahnhofs. Vor uns der Gürtel, mit der Bim geht’s weiter zum Ring. 

„Der Weg ist das Ziel“ stimmt nicht, wenn das Ziel Wien ist. 


 

Montag, 4. Juli 2022

Mit dem 9-Euro-Ticket durch Sachsen

Die Pioniereisenbahner nehmen ihren Job ernst. Sehr ernst sogar. Es herrscht eine strenge Arbeitsteilung zwischen Fahrkartenverkäufern, Fahrkartenkontrolleuren auf dem Bahnsteig, Fahrdienstleiterinnen, Schrankenwärtern, Helferinnen an unbeschrankten Bahnübergängen und Lokführer. Der Lokführer ist der einzige Erwachsene, alle anderen sind schulpflichtig. Und merklich stolz auf das, was sie hier im Küchwaldpark nachmittags und am Wochenende leisten.

Was sich heute „Parkeisenbahn Chemnitz“ nennt, wurde 1954 als „Pioniereisenbahn Karl-Marx-Stadt“ gegründet. Es steckt auch heute noch viel DDR in diesem grundsympathischen Betriebskonzept. Chemnitz, Plauen, Gera, Leipzig, Dresden, Berlin: in vielen ostdeutschen Städten gibt es Parkeisenbahnen, die mal Pioniereisenbahnen waren. Die in Plauen, Chemnitz und Dresden habe ich auf meiner „9-Euro-Ticket-Reise“ durch Sachsen er-fahren, auch wenn das 9-Euro-Ticket bei den Parkeisenbahnen gar nicht gültig ist. Aber ich finde, diese originellen Bähnchen haben es verdient, dass man für sie extra zahlt. 

Plauen

Chemnitz   
Dresden

In vielen anderen, „ganz normalen“, aber auch reichlich extravaganten Bussen und Bahnen in Sachsen ist das 9-Euro-Ticket gültig – und hat mir somit eine wunderbare, spontan geplante mehrtägige Reise durch den Freistaat beschert. Während rund um die großen Verlagshäuser in Hamburg, Köln und München die Züge überfüllt sind, weil die ganzen Journalisten mitfahren, die zum ersten Mal in ihrem Leben Regionalzüge von innen sehen und vom „völligen Chaos“ berichten, bekomme ich zwischen Zwickau und Zittau auch im Juni 2022 immer einen freien Sitzplatz. Von einem folgenschweren Zugausfall in Cranzahl abgesehen, sind die Züge auch fast immer pünktlich und zuverlässig. Davon kann in vielen anderen Bundesländern mit ihren überlasteten Bahnnetzen derzeit wahrlich nicht die Rede sein...

Sachsen ist ein wunderbares Bahnland mit viel Kulturerbe und noch mehr schöner Natur. Beides erlebe ich während meiner Reise. Ich stelle fest, 

  • dass Meißen so ist wie Bamberg, nur ohne die vielen Brauereien;
  • dass die Dresdner Neustadt ist so ist wie das Berlin der 0er Jahre, nur ohne Hundescheiße;
  • dass das Erzgebirge so ist wie der Schwarzwald, nur weniger überlaufen;

  • dass die Elbe ein echter, fließender Fluss ist und kein langweiliger staustufenregulierter Kanal wie Neckar, Main & Co;

  • dass es spannende Industriekultur nicht nur im Ruhrgebiet gibt, sondern auch in Chemnitz; 

  • dass Görlitz völlig zu Recht häufig als Filmlocation ausgewählt wird und

  • dass man in Annaberg-Buchholz richtig leckeren Kaffee trinken kann.


 

Ein paar Highlights, die ich mit dem 9-Euro-Ticket erlebt habe:

  • Mit drei verschiedenen dampfbetriebenen Schmalspurbahnen (Fichtelbergbahn, Weißeritztalbahn, Lößnitzgrundbahn) fahren, teilweise sogar im offenen Wagen
 

 
 

  • Mit dem Bus im Stau stehen und neidisch auf die fahrende Dampflok blicken

  • In Zwickau mit einem normalspurigen Eisenbahn-Triebwagen (auf einem Dreischienengleis) über das schmalspurige Straßenbahnnetz fahren

  • Mich auf dem Weg „nach den Bahnsteigen“ im Zwickauer Hauptbahnhof fragen, ob das wirklich ein Bahnhof ist oder doch ein Museum

  • Mir im Bahnhof von Kurort Kipsdorf dieselbe Frage stellen
  • Mit einem Kleinbus eine Stadtführung durch Meißen machen und beim langsamen Vorbeifahren den Hinweis des Fahrers beachten, dass man sich im 2. Fenster der Konditorei den Meißener Fummel anschauen kann

  • Vom Triebwagen der Erzgebirgsbahn mit „Glück auf!“ begrüßt werden

  • … vom Doppelstockzug der Dresdner S-Bahn hingegen mit „Guten Morgen“ begrüßt werden

  • Über die größte Ziegelstein-Brücke der Welt, die Göltzschtalbrücke, fahren (aber leider den passenden Moment für ein gutes Foto verpassen)
  • In Plauen beobachten, dass auch in modernen Niederflur-Straßenbahnen Sand für die Bremsen nachgefüllt werden muss - und zwar mit der Gießkanne
  • In Hainichen in einen dieselbetriebenen Zug einsteigen, der sich in der Chemnitzer Innenstadt in eine elektrische Straßenbahn verwandelt 


  • Den 220 Mio. € teuren Dresdner Flughafen bereisen, an dem am Bereisungstag genau 13 Flüge abgehen, davon drei nach Mallorca und sechs weitere Inlandsflüge
  • Mit der (45 m langen) ehemals längsten Straßenbahn der Welt an den Stadtrand von Dresden fahren

  • … und dort von einem Schienenschleifwagen überrascht werden

  • Zwischen Zittau und Görlitz plötzlich an einem polnischen Bahnhof halten

  • In einer alten Tatra-Straßenbahn durch Görlitz schaukeln  
 
 
  • Das Einkaufszentrum Lausitz-Center, laut Google Maps der einzige „belebte Ort“ in Hoyerswerda-Neustadt, aufsuchen. Es ist (innen) tatsächlich belebt - aber was für gelernte DDR-Bürger bei der Eröffnung am 31. August 1995 eine beeindruckende neue Welt gewesen sein muss, wirkt heute wie ein etwas aus der Zeit gefallenes 90er Jahre-Museum, während Hoyerswerdas Altstadt zeitlos schön ist
  • Auf der „Sächsischen Semmeringbahn“ durch die Sächsische Schweiz fahren – und die mitreisende Schulklasse schreien hören, als im Tunnel plötzlich das Licht ausgeht

  • Hinter dem Lokführer die Fahrt durch das Elbtal Richtung Tschechien genießen. 


Mich zieht es nun weiter über die Grenze, ich will auf dem Heimweg in den Südwesten noch Most, Pilsen und meine Verwandtschaft in der Oberpfalz besuchen. Dabei könnte man mit dem 9€-Ticket in Sachsen noch viel mehr erleben: Mit der Straßenbahn durch das wunderbare Leipzig gurken; auf der Döllnitztalbahn Schülerverkehr auf einer Schmalspurbahn erleben; alte Schlösser an Mulde und Elbe besichtigen; mit historischen Straßenbahnen durch das Kirnitzschtal fahren; mit der Drahtseilbahn zum Schloss Augustburg gondeln. Manche Fähren sind ebenfalls mit dem 9€-Ticket nutzbar, die Pferdebahn in Döbeln hingegen nicht. Der MDR hat eine hilfreiche Übersicht erstellt, wo das Ticket gilt und wo nicht.

Man sollte übrigens genau aufpassen, immer mit einem gültigen Fahrschein unterwegs zu sein. Und eine Bestätigung des heimischen Verkehrsverbundes dabei haben, dass die Plastikkarte mit dem in Sachsen unbekannten Verkehrsverbundlogo tatsächlich eine gültige Jahreskarte, also ein 9€-Ticket, ist. Meine „polygoCard“ hat mit den Schaffnerinnen und Schaffnern in Sachsen zu unterhaltsamen Gesprächen, Gelächter und kritischen Nachfragen geführt. Aber niemand hat mein Ticket einfach so durchgewunken, wie ich es in Nordrhein-Westfalen und Bayern schon erlebt hatte. Die Schaffnerinnen und Schaffner in Sachsen nehmen ihren Job offenbar ernst. Sehr ernst sogar. Man ahnt, wo sie das gelernt haben.

Das Fotoalbum der Reise findet man hier.