Mein GPS-Gerät und meine Kamera sind 2016 ganz schön rumgekommen. Und Sie haben mich zum Glück immer mitgenommen. 10 Länder, 3.500 Fahrradkilometer und trotz schmerzhafter Ausmistdurchläufe immer noch 1.981 Fotos. Wer ein paar davon sehen will, kann sich durch die einzelnen Alben klicken:
Südtirol und Umgebung – Das „Hauptalbum“
Interrail Schweiz: Eine Hochzeit und vier Interrailtage
Interrail Italien: Sizilien - San Marino - Venedig - Triest
Europareise 1: Über Hamburg nach Athen
Europareise 2: Über Polen nach Potsdam
Wanderurlaub 1: Madeira
Wanderurlaub 2: Dolomiten-Höhenweg 1 (Pragser Wildsee - Alleghe)
Fahrradurlaub 1: Bozen – Venedig, Vol. 2
Fahrradurlaub 2: Brenner – Gerlos – Großglockner: 3 Tage, 3 Packtaschen, 3 Pässe
Fahrradurlaub 3: Mulde-Radweg: In Sachsen(-Anhalt) nach den Rechten schauen
Der gerade Strich, der mitten durch Südtirol geht, ist kein Fehler, sondern der Flug nach Madeira :-)
Wenn 2017 so wird wie 2016, dann wird es großartig.
Mancher Gedanke verdient es, ausformuliert zu werden. Manche Beobachtung verdient es, niedergeschrieben zu werden. Manches Fotoalbum verdient es, geteilt zu werden. Deshalb gibt es diesen Blog.
Montag, 23. Januar 2017
Sonntag, 8. Januar 2017
Jahresrückblick 2017 :-)
10 Jahre iPhone, 100 Jahre Giro d’Italia, 200 Jahre Fahrrad, 500 Jahre Reformation, 700 Jahre Meran. Und die Berliner Mauer ist jetzt genau so lange gefallen wie sie einst stand. 2017 war ein Jahr der Jubiläen. Und der politischen Verrücktheiten. Nun ist es vorbei.
Im Vergleich zum Vorjahr war 2017 ein Jahr des Friedens und des Lebens. Weniger tote Prominente, weniger Terroropfer und endlich ist der Krieg in Syrien vorbei (und der im Jemen auch, aber für den haben sich die westlichen Medien ja nie so sehr interessiert wie die westlichen Waffenexporteure).
Was waren die Höhepunkte des Jahres 2017? Wir erinnern uns gerne zurück an das Fernsehereignis des Jahres, die MDR-Show „Flüchtlinge gegen Sachsen“, in der syrische Flüchtlinge sächsische Frohnaturen insbesondere bei Geschichtswissen und deutscher Sprachkompetenz geradezu an die Wand gespielt hatten.
Das musikalische Highlight des Jahres 2017 war die Wiedervereinigung von ABBA, mit der mittlerweile fast niemand mehr gerechnet hatte. Aber nachdem die meisten anderen relevanten Popmusiker 2016 gestorben sind, sah sich das schwedische Quartett förmlich gezwungen, wieder gemeinsam aufzutreten. Das hätten sich Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid in den 70ern auch nicht träumen lassen, dass sie einmal in einer „O2 World“ und in einer „Red Bull Arena“ singen werden.
Dass Red Bull, pardon, Rasenballfreunde Leipzig tatsächlich gleich in der ersten Erstligasaison Deutscher Meister wird, das hätten sich auch nur wenige träumen lassen. Gewünscht hatten es sich noch weniger.
Dafür ist ein anderer lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: Nachdem die alte Garde der FDP im Jahr 2016 vollständig ausgestorben ist, ist die junge Garde der FDP 2017 vollständig zurückgetreten und „aus individuellen, gewinnmaximierenden Überlegungen heraus“ in die Wirtschaft gewechselt. Damit ist die FDP endgültig Geschichte – und die Grünen haben die parlamentarische Vertretung der Besserverdienenden vollständig übernommen.
Das Kanzleramt übernommen hat bekanntlich Martin Schulz. Angela Merkels letzter großer Coup, im Januar 2017 den Kanzlerkandidaten der SPD auszurufen, weil sich die SPD selber nicht auf einen Kandidaten einigen konnte, ist aber nur auf den ersten Blick nach hinten losgegangen: Da Martin Schulz – wie im Januar mit Angela Merkel ausgehandelt, aber erst nach der Bundestagswahl bekannt wurde – in seiner rot-rot-grünen Koalition den konservativen Luxemburger Jean-Claude Juncker zum Finanzminister macht, wird der Sitz des EU-Kommissions-Präsidenten frei. Und den übernimmt nun erstmals eine Frau aus der Uckermark.
Eine andere politische Frau hat ihren großen Traum nicht erfüllen können: Marine Le Pen hat die Stichwahl zur Präsidentschaft verloren, der Gang vor die Hunde wurde in Frankreich also – wie bereits ein Jahr zuvor in Österreich – um eine weitere Legislaturperiode verschoben. Marie Le Pen denkt nun ernsthaft darüber nach, nach Mecklenburg-Vorpommern auszuwandern. Sie lässt sich zitieren mit den Worten: „In Ostdeutschland gibt es fast keine Ausländer, trotzdem hassen alle Ausländer. So etwas habe ich mir für Frankreich immer gewünscht.“ Ob sie sich als Ausländerin in Mecklenburg-Vorpommern wirklich wohlfühlen wird, muss sich zeigen. Der Anfang 2017 von ihr angekündigte Parteizusammenschluss von Front National mit UKIP und Geerd Wilders‘ Freiheitspartei zur „Alternative für Frankreich England Niederlande“ war ja bekanntlich am Akronym gescheitert.
Das Stichwort Affen führt mich zum Abschluss zur CSU: Den Aprilscherz des Jahres 2017 konnte die Süddeutsche Zeitung für sich verbuchen. Ihrer Pushmeldung zufolge hatte der neue US-Präsident Donald Trump beim Blick auf eine Deutschlandkarte gesehen, dass Bayern Teil einer „amerikanischen Besatzungszone“ und er folglich auch Präsident von Bayern ist. Horst Seehofer wurde in der fingierten Meldung zitiert mit „von mir aus kann auch Donald Trump mein Nachfolger werden – Hauptsache nicht Markus Söder.“
Und so lautet als Fazit des Jahresrückblicks auch mein innigster Wunsch für das Jahr 2018: Hauptsache nicht Markus Söder.
Mittwoch, 28. Dezember 2016
Wenn die Post nicht abgeht
Ich hab mich letztens gefragt, wo das Sprichwort „die Post geht ab“ herkommt. Ein Sprichwort mit einer solch dynamischen Bedeutung kann ja wohl nichts mit der Post zu tun haben. Denn hier in Südtirol geht die Post eher langsam ab. Eher ist es so, dass mir die Post abgeht, wenn ich mal wieder wochenlang auf ein Paket warte.
Mein digitaler Posteingang ist zwar ständig voll, der Briefkasten hingegen ist meistens leer. Mein Spiegel-Abo hab ich kürzlich auch auf digital umgestellt, weil es relativ witzlos ist, zwei Tage vor dem Erscheinen der nächsten Ausgabe endlich die alte Ausgabe aus dem Briefkasten fischen zu können. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern? Doch, die von vor fünf Tagen! In Deutschland erscheint der Spiegel am Samstag, meinen Briefkasten erreichte er meist am folgenden Donnerstag. 100 Kilometer Luftlinie sind es von der deutschen Grenze zu meinem Bozner Briefkasten, fünf Tage braucht die italienische Post dafür. Das sind 20 Kilometer pro Tag. Oder 833 Meter pro Stunde. Die Postkutschen, die zu Goethes Zeiten über den Brenner geritten wurden, waren deutlich schneller unterwegs. „Jede Flaschenpost ist schneller als die Flaschen von der Post“, würde mein Mitbewohner sagen.
Man stelle sich vor, man müsste E-Mails mit der italienischen Post verschicken – die Mails würden immer erst zwei Tage auf einem Server in Verona rumliegen, bevor sie an den Empfänger ausgeliefert werden. Man stelle sich vor, statt der „Friedensreiter“, über die 1648 zwischen Münster und Osnabrück die neuesten Updates der Friedensverhandlungen ausgetauscht wurden, hätte man die italienische Post eingesetzt – in den Geschichtsbüchern würde man wohl vom „31-jährigen Krieg“ sprechen.
Die Langsamkeit der italienischen Post hat nichts mit bürokratischen Strukturen zu tun, und schon gar nichts mit ihren wirklich netten Mitarbeiter*innen – nein, sie lässt sich wortklauberisch begründen: das lateinische Präfix „post“ steht nun einmal für „nach, hinter“. Das klingt ja schon irgendwie langsam. Der Postkolonialismus kam (und kommt…) nach dem Kolonialismus, der Postfeminismus nach dem Feminismus, die Post erst nach fünf Tagen.
Würde man das Unternehmen in „Italienische Prä“ umbenennen – vielleicht wären sämtliche Probleme gelöst. Dann würde „vor“her geliefert, und nicht erst „hinter“her. „Italienische Prä AG“. Das wär doch ein attraktiver Firmenname. Ich könnte ihn per stille Post verbreiten. Oder auf Facebook einen Post dazu schreiben, im Jahre 2016 post Christum macht man das so. Ich kann den Post auch postdatieren.
Genug der postalischen Wortspiele. In Wirklichkeit leitet sich der Name der Post vom spätlateinischen positum ab und bezeichnet eine Position, also die „Post“ im Sinne von „Poststation“. Man geht ja zur Post. Was meistens schneller geht, als dass die Post zu einem kommt. Im schlimmsten Fall kommt die Post sogar erst postum.
| Die (deutschen) Eltern von Handy und E-Mail |
| Oranger (niederländischer) Briefkasten im Grünen |
Dieser Artikel wurde in der Straßenzeitung Zebra (Ausgabe 12/2016) veröffentlicht.
Der Kauf der Zebra lohnt sich meiner Meinung nach sowohl für Käufer (weil die Inhalte wirklich interessant sind) als auch für Verkäufer (weil sie einen Euro vom Verkaufspreis behalten dürfen und einen Zugang zu Arbeitswelt und sozialen Kontakten erhalten). Mehr Infos hier.
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Donnerstag, 15. Dezember 2016
2016, ein Jahr zum Vergessen?
Wenn man sich die Jahresrückblicke 2016 in den deutschsprachigen
Medien so anschaut und durchliest, bekommt man den Eindruck, dass die
Apokalypse kurz bevorsteht. So wie jedes Jahr.
Aber vielleicht war 2016 ja gar nicht soo schlimm? Und da meine ich jetzt nicht mein persönliches Jahr 2016 – das privat, beruflich und überhaupt großartig war – sondern durchaus auch die große Politik:
Die Klimakonferenz in Marrakesch? Wird in den Jahresrückblicken gerne ausgeblendet. Dabei könnte es im Rückblick einmal durchaus eine Rolle spielen, dass 2016 beschlossen wurde, dass fast 50 Staaten der Erde ihre Energieversorgung bis 2050 komplett auf Erneuerbare umstellen wollen.
Alexander van der Bellen, ein grüner Pro-Europäer, ist (sogar zweimal!) zum neuen Präsident von Österreich gewählt worden? Ist in der ganzen Hofer-Hysterie fast komplett untergegangen.
Ok, Großbritannien wird die EU verlassen – aber waren sie eigentlich jemals wirklich drinnen?
Ok, Polen und Ungarn haben Regierungen, von denen man dachte, dass es sie in der EU nicht mehr geben würde – aber das zeigt ja überhaupt erst, an welch hohes Niveau wir uns mittlerweile gewöhnt haben. Vor dreißig Jahren hätte man in Osteuropa noch gar keine Pressefreiheit einschränken können.
Ok, Mc‘Donald Duck Trump wird jetzt wirklich US-Präsident. Aber hey, dieses großartige Land hat zweimal George Bush überlebt, da wird es ja wohl auch einmal Donald Trump überleben. Nach George Bush kamen Bill Clinton respektive Barack Obama – da freut man sich doch schon richtig auf den nächsten demokratischen (im wahrsten Sinne des Wortes) US-Präsidenten. Oder US-Präsidentin (warum nicht Michelle Obama? Oder doch Claire Underwood?).
Ok, die AFD ist in Sachsen-Anhalt zur zweitstärksten Kraft geworden. Und SPD und CDU werden gemeinsam mit der heutigen Rentner-Generation und den heutigen Leitindustrien aussterben, wenn sie sich weiterhin nur um deren kurzfristige Interessen kümmern. Aber hat nicht der Aufstieg der AFD dazu geführt, dass im eingelullten Muttiland endlich wieder einmal über Politik debattiert und für wichtige Themen und nicht nur für Fußballländerspiele auf die Straße gegangen wird? Haben wir 30-jährigen, die wir unter Schröder und Fischer politisiert wurden, uns nicht jahrelang gewünscht, dass Politik wieder so spannend wird wie vor Merkel? Jetzt haben wir den Salat. Aber wir können ihn gemeinsam auslöffeln und durch schwierige Diskussionen und langwierige Überzeugungsarbeit zeigen, dass der rechte Weg nicht der Rechte ist.
Ok, Renzi hat das Referendum und Italien damit den wohl besten Regierungschef seit Jahrzehnten verloren. Aber die Art und Weise, wie interessiert und intensiv die durchaus komplexen Inhalte des Referendums im Vorfeld diskutiert wurden, haben meinen Glauben an die direkte Demokratie gestärkt. Und die Demokratie in Italien auch.
Ok, es gab 2016 grauenhafte Terroranschläge. Man hätte sich aus so schönen Städten wie Nizza und Istanbul positivere Nachrichten gewünscht als die von Terroranschlägen (und vom Amoklauf eines AFD-Sympathisanten in München hätte man sich gar keine Terroranschlag-Nachrichten gewünscht, aber die schnellste Push-Meldung ist eben doch wichtiger als ein Innehalten, bis man den Sachverhalt richtig einordnen kann). Jedes Terroropfer ist eines zu viel. Aber den hunderten Terroropfern stehen hunderttausende Opfer gegenüber, die jedes Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Und 2016, das Jahr des VW-Skandals, könnte im Rückblick als das Jahr gelten, in dem auch die europäischen Politiker und Autohersteller endlich aufgewacht sind und gemerkt haben, dass die Gesundheit der Menschen wichtiger ist als der kurzfristige Gewinn durch den Verkauf von Dieselmotoren. Stickoxide sind deutlich gefährlicher als Muslime. Das wussten wir in unserer akademischen Echokammer schon vorher, aber die Skandale des Jahres 2016 haben diese Erkenntnis einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Echokammer hätte das Wort des Jahres werden können. Postfaktisch ist es geworden. Wahrscheinlich auch dank Jan Böhmermann. Schön, dass es diesen Böhmermann gibt. Und dass er 2016 eine Staatskrise ausgelöst hat, die an Absurdität nicht zu überbieten war. Schön, dass es die ZDF Mediathek gibt, die uns unsere Lieblingssendungen schauen lässt, wann wir das wollen und nicht, wann es der Programmdirektor vorsieht. Schön, dass es Netflix gibt. Und Nextbike. Und Netzwerke. Schön, dass es immer mehr freies W-Lan gibt. Und ein allgemeines freies Wahlrecht. Auch wenn uns der Ausgang der Wahlen nicht immer schmeckt. Aber Geschmäcker sind verschieden.
Nach meinem Geschmack war 2016 gar nicht soo schlimm.
Dieser Jahresrückblick stammt aus unserem neuen WG-Blog http://thebattleofblogs.blogspot.it/
Aber vielleicht war 2016 ja gar nicht soo schlimm? Und da meine ich jetzt nicht mein persönliches Jahr 2016 – das privat, beruflich und überhaupt großartig war – sondern durchaus auch die große Politik:
Die Klimakonferenz in Marrakesch? Wird in den Jahresrückblicken gerne ausgeblendet. Dabei könnte es im Rückblick einmal durchaus eine Rolle spielen, dass 2016 beschlossen wurde, dass fast 50 Staaten der Erde ihre Energieversorgung bis 2050 komplett auf Erneuerbare umstellen wollen.
Alexander van der Bellen, ein grüner Pro-Europäer, ist (sogar zweimal!) zum neuen Präsident von Österreich gewählt worden? Ist in der ganzen Hofer-Hysterie fast komplett untergegangen.
Ok, Großbritannien wird die EU verlassen – aber waren sie eigentlich jemals wirklich drinnen?
Ok, Polen und Ungarn haben Regierungen, von denen man dachte, dass es sie in der EU nicht mehr geben würde – aber das zeigt ja überhaupt erst, an welch hohes Niveau wir uns mittlerweile gewöhnt haben. Vor dreißig Jahren hätte man in Osteuropa noch gar keine Pressefreiheit einschränken können.
Ok, Mc‘Donald Duck Trump wird jetzt wirklich US-Präsident. Aber hey, dieses großartige Land hat zweimal George Bush überlebt, da wird es ja wohl auch einmal Donald Trump überleben. Nach George Bush kamen Bill Clinton respektive Barack Obama – da freut man sich doch schon richtig auf den nächsten demokratischen (im wahrsten Sinne des Wortes) US-Präsidenten. Oder US-Präsidentin (warum nicht Michelle Obama? Oder doch Claire Underwood?).
Ok, die AFD ist in Sachsen-Anhalt zur zweitstärksten Kraft geworden. Und SPD und CDU werden gemeinsam mit der heutigen Rentner-Generation und den heutigen Leitindustrien aussterben, wenn sie sich weiterhin nur um deren kurzfristige Interessen kümmern. Aber hat nicht der Aufstieg der AFD dazu geführt, dass im eingelullten Muttiland endlich wieder einmal über Politik debattiert und für wichtige Themen und nicht nur für Fußballländerspiele auf die Straße gegangen wird? Haben wir 30-jährigen, die wir unter Schröder und Fischer politisiert wurden, uns nicht jahrelang gewünscht, dass Politik wieder so spannend wird wie vor Merkel? Jetzt haben wir den Salat. Aber wir können ihn gemeinsam auslöffeln und durch schwierige Diskussionen und langwierige Überzeugungsarbeit zeigen, dass der rechte Weg nicht der Rechte ist.
Ok, Renzi hat das Referendum und Italien damit den wohl besten Regierungschef seit Jahrzehnten verloren. Aber die Art und Weise, wie interessiert und intensiv die durchaus komplexen Inhalte des Referendums im Vorfeld diskutiert wurden, haben meinen Glauben an die direkte Demokratie gestärkt. Und die Demokratie in Italien auch.
Ok, es gab 2016 grauenhafte Terroranschläge. Man hätte sich aus so schönen Städten wie Nizza und Istanbul positivere Nachrichten gewünscht als die von Terroranschlägen (und vom Amoklauf eines AFD-Sympathisanten in München hätte man sich gar keine Terroranschlag-Nachrichten gewünscht, aber die schnellste Push-Meldung ist eben doch wichtiger als ein Innehalten, bis man den Sachverhalt richtig einordnen kann). Jedes Terroropfer ist eines zu viel. Aber den hunderten Terroropfern stehen hunderttausende Opfer gegenüber, die jedes Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Und 2016, das Jahr des VW-Skandals, könnte im Rückblick als das Jahr gelten, in dem auch die europäischen Politiker und Autohersteller endlich aufgewacht sind und gemerkt haben, dass die Gesundheit der Menschen wichtiger ist als der kurzfristige Gewinn durch den Verkauf von Dieselmotoren. Stickoxide sind deutlich gefährlicher als Muslime. Das wussten wir in unserer akademischen Echokammer schon vorher, aber die Skandale des Jahres 2016 haben diese Erkenntnis einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Echokammer hätte das Wort des Jahres werden können. Postfaktisch ist es geworden. Wahrscheinlich auch dank Jan Böhmermann. Schön, dass es diesen Böhmermann gibt. Und dass er 2016 eine Staatskrise ausgelöst hat, die an Absurdität nicht zu überbieten war. Schön, dass es die ZDF Mediathek gibt, die uns unsere Lieblingssendungen schauen lässt, wann wir das wollen und nicht, wann es der Programmdirektor vorsieht. Schön, dass es Netflix gibt. Und Nextbike. Und Netzwerke. Schön, dass es immer mehr freies W-Lan gibt. Und ein allgemeines freies Wahlrecht. Auch wenn uns der Ausgang der Wahlen nicht immer schmeckt. Aber Geschmäcker sind verschieden.
Nach meinem Geschmack war 2016 gar nicht soo schlimm.
Dieser Jahresrückblick stammt aus unserem neuen WG-Blog http://thebattleofblogs.blogspot.it/
Freitag, 9. Dezember 2016
Die bürokratische Herausforderung, in Bozen Squash spielen zu wollen
Ein Squashball kann bis zu 283 km/h schnell fliegen. Der bürokratische Prozess, in Bozen Squash spielen zu können, erfolgt nicht ganz so schnell.
Ja, ich spiele Squash. Nicht gut, aber das ist ja egal. Kennen und lieben gelernt habe ich es in einem kalten kanadischen Winter. Spaß macht es auch in einem milden Südtiroler Winter. Im Winter erfreuen sich Sportarten, die man in der warmen Halle praktizieren kann und die einen schnell an seine Grenzen bringen, ja generell großer Beliebtheit. Vor 30 Jahren wurden deshalb überall Squashhallen gebaut, so wie heute überall Boulderhallen gebaut werden. Squash ist sozusagen das Bouldern der 80er.
Leider stammt das Bozner Buchungssystem, falls man in diesem Zusammenhang von einem System sprechen kann, auch aus den 80ern.Und damit bin ich bei meinem Thema angelangt: Was muss ich tun, um in Bozen Squash spielen zu können? Die einfache Antwort wäre: Von zu Hause aus einen Platz reservieren, hinfahren und spielen. So funktioniert das im Rest der Welt. Aber ich wohne in Italien.
„Unsere“ Squashhalle liegt in der Reschenstraße, also vom Büro aus betrachtet am anderen Ende der Stadt. Heißt 4 Kilometer. 4 Kilometer, die man umsonst gefahren ist, wenn alle Plätze belegt sind. Also besser vorher reservieren. Vorher reservieren kann man aber nur vor Ort. Und zwar immer nur eine Woche im Voraus. Und zwar, indem man einen bunten Klebepunkt auf eine Art Stundenplan klebt. Kein Scherz. Schaut so aus:

Soweit, so rudimentär. Aber das Beste kommt noch: diese Klebepunkte muss man kaufen. Sie sind die Berechtigung, Squash spielen zu dürfen. Und die Berechtigung, eine Stunde Squash spielen zu dürfen, kostet 10 €. Ja, so ein dämlicher Klebepunkt kostet 10 €. Bei größeren Stückzahlen gibt es einen großzügigen Mengenrabatt, für 15 Klebepunkte zahlt man nur 140 €:

Keine Scherz, 140 € für ein paar Klebepunkte. Das Problem ist aber nicht der Preis, das Problem ist der Ort, an dem man sich diese Klebepunkte kaufen kann. Es gibt nur einen. Und das ist NICHT die Squashhalle. Nein, die Berechtigung, um in der Sporthalle in der Reschenstraße Squash spielen zu können, kauft man sich in der städtischen Dienststelle für Sport in der Lanciastraße, 3 Kilometer entfernt in der Industriezone. Zu den Zuständigkeiten der Dienststelle für Sport zählt laut Website (ja, die haben Internet!) unter anderem die „Verwaltung der in Sportanlagen durchgeführten Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit dem Amt, das für die Instandhaltung derselben zuständig ist“. Logisch. Und aus irgendeinem Grund ist ihre Zuständigkeit auch der Verkauf der Squash-Klebepunkte. In der Sporthalle gäbe es schon auch Angestellte, die ihr Büro im Eingangsbereich haben und physisch wie intellektuell in der Lage wären, Klebepunkte zu verkaufen. Sie dürfen das aber nicht. Es ist da wohl in der Vergangenheit zu gewissen Unregelmäßigkeiten gekommen. Wie gesagt, ich wohne in Italien.
Man muss also zur Dienststelle für Sport fahren, um Klebepunkte zu kaufen, mit denen man in die Reschenstraße fahren kann, um einen Platz zu reservieren um irgendwann dann nochmal in die Reschenstraße zu fahren, um endlich Squash spielen zu können. Logisch. Einziges Problem an der Sache: die Öffnungszeiten der Dienststelle für Sport. Mo, Di, Mi, Fr 9-12 Uhr. Das deckt sich wunderbar mit den Kernzeiten, zu denen ich unbedingt im Büro sein muss (wie gesagt, ich wohne in Italien). Zum Glück gibt es aber den „Bürger-Donnerstag“. Und zum Glück ist jeden Donnerstag Bürger-Donnerstag. Das heißt: die Ämter haben länger auf. Das heißt: bis 13 Uhr (und dann nochmal von 14-17:30 Uhr). Donnerstags in der Mittagspause ist also die einzige Möglichkeit, zur Dienststelle für Sport zu fahren und diese dämlichen Klebepunkte zu kaufen.
Gesagt, getan: Ich bin hingefahren, hab mir die oben gezeigten Klebepunkte gekauft und mir den Kauf quittieren lasse. Voller Vorfreude wollte ich in der Reschenstraße am Stundenplan für eine Stunde einen Squashplatz reservieren – ging aber leider nicht: Um eine Stunde reservieren zu können, braucht man einen blauen Klebepunkt (10 €). Die roten Klebepunkte (5 €) gelten nur für dreißig Minuten, man braucht für einmal reservieren also zwei Punkte (deshalb sind auf dem Bild oben nur noch 13 Klebepunkte übrig). Sie haben mir also die falschen Klebepunkte verkauft! Quasi die halbe Leistung zum vollen Preis. Das einzige, was sie in dieser Dienststelle verkaufen, sind Klebepunkte zum Squashspielen, und die verkaufen sie dann in der falschen Farbe!
Wie gesagt, ich wohne in Italien.
Mit der gegenüber italienischen Behörden stets gebotenen Unterwürfigkeit bin ich also ein zweites Mal zur Dienststelle für Sport gefahren, um einen Umtausch der Klebepunkte zu erwirken. Das ging natürlich erst eine Woche später, am nächsten Bürger-Donnerstag. Dank Quittungsbeleg konnte ich der freundlichen Angestellten ihren Fehlverkauf nachweisen und habe tatsächlich sofort Ersatz in Form der blauen, also richtigen, Klebepunkte erhalten. Das wurde dann auf meiner Quittung vermerkt und meine Quittung kopiert – erst auf ein DIN A3-Papier, weil kein anderes mehr im Drucker war, anschließend dann noch einmal auf ein DIN A4-Papier. Und während die arme Angestellte vermutlich noch immer damit beschäftigt ist, den aus meinem Punktetausch resultierenden Verwaltungsvorgang abzuschließen, bin ich nun stolzer Besitzer von blauen Klebepunkten. Und eines blauen Fleckes auf dem Knie. Squash kann nämlich weh tun. Aber es macht Spaß.

Ja, ich spiele Squash. Nicht gut, aber das ist ja egal. Kennen und lieben gelernt habe ich es in einem kalten kanadischen Winter. Spaß macht es auch in einem milden Südtiroler Winter. Im Winter erfreuen sich Sportarten, die man in der warmen Halle praktizieren kann und die einen schnell an seine Grenzen bringen, ja generell großer Beliebtheit. Vor 30 Jahren wurden deshalb überall Squashhallen gebaut, so wie heute überall Boulderhallen gebaut werden. Squash ist sozusagen das Bouldern der 80er.
Leider stammt das Bozner Buchungssystem, falls man in diesem Zusammenhang von einem System sprechen kann, auch aus den 80ern.Und damit bin ich bei meinem Thema angelangt: Was muss ich tun, um in Bozen Squash spielen zu können? Die einfache Antwort wäre: Von zu Hause aus einen Platz reservieren, hinfahren und spielen. So funktioniert das im Rest der Welt. Aber ich wohne in Italien.
„Unsere“ Squashhalle liegt in der Reschenstraße, also vom Büro aus betrachtet am anderen Ende der Stadt. Heißt 4 Kilometer. 4 Kilometer, die man umsonst gefahren ist, wenn alle Plätze belegt sind. Also besser vorher reservieren. Vorher reservieren kann man aber nur vor Ort. Und zwar immer nur eine Woche im Voraus. Und zwar, indem man einen bunten Klebepunkt auf eine Art Stundenplan klebt. Kein Scherz. Schaut so aus:

Soweit, so rudimentär. Aber das Beste kommt noch: diese Klebepunkte muss man kaufen. Sie sind die Berechtigung, Squash spielen zu dürfen. Und die Berechtigung, eine Stunde Squash spielen zu dürfen, kostet 10 €. Ja, so ein dämlicher Klebepunkt kostet 10 €. Bei größeren Stückzahlen gibt es einen großzügigen Mengenrabatt, für 15 Klebepunkte zahlt man nur 140 €:

Keine Scherz, 140 € für ein paar Klebepunkte. Das Problem ist aber nicht der Preis, das Problem ist der Ort, an dem man sich diese Klebepunkte kaufen kann. Es gibt nur einen. Und das ist NICHT die Squashhalle. Nein, die Berechtigung, um in der Sporthalle in der Reschenstraße Squash spielen zu können, kauft man sich in der städtischen Dienststelle für Sport in der Lanciastraße, 3 Kilometer entfernt in der Industriezone. Zu den Zuständigkeiten der Dienststelle für Sport zählt laut Website (ja, die haben Internet!) unter anderem die „Verwaltung der in Sportanlagen durchgeführten Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit dem Amt, das für die Instandhaltung derselben zuständig ist“. Logisch. Und aus irgendeinem Grund ist ihre Zuständigkeit auch der Verkauf der Squash-Klebepunkte. In der Sporthalle gäbe es schon auch Angestellte, die ihr Büro im Eingangsbereich haben und physisch wie intellektuell in der Lage wären, Klebepunkte zu verkaufen. Sie dürfen das aber nicht. Es ist da wohl in der Vergangenheit zu gewissen Unregelmäßigkeiten gekommen. Wie gesagt, ich wohne in Italien.
Man muss also zur Dienststelle für Sport fahren, um Klebepunkte zu kaufen, mit denen man in die Reschenstraße fahren kann, um einen Platz zu reservieren um irgendwann dann nochmal in die Reschenstraße zu fahren, um endlich Squash spielen zu können. Logisch. Einziges Problem an der Sache: die Öffnungszeiten der Dienststelle für Sport. Mo, Di, Mi, Fr 9-12 Uhr. Das deckt sich wunderbar mit den Kernzeiten, zu denen ich unbedingt im Büro sein muss (wie gesagt, ich wohne in Italien). Zum Glück gibt es aber den „Bürger-Donnerstag“. Und zum Glück ist jeden Donnerstag Bürger-Donnerstag. Das heißt: die Ämter haben länger auf. Das heißt: bis 13 Uhr (und dann nochmal von 14-17:30 Uhr). Donnerstags in der Mittagspause ist also die einzige Möglichkeit, zur Dienststelle für Sport zu fahren und diese dämlichen Klebepunkte zu kaufen.
Gesagt, getan: Ich bin hingefahren, hab mir die oben gezeigten Klebepunkte gekauft und mir den Kauf quittieren lasse. Voller Vorfreude wollte ich in der Reschenstraße am Stundenplan für eine Stunde einen Squashplatz reservieren – ging aber leider nicht: Um eine Stunde reservieren zu können, braucht man einen blauen Klebepunkt (10 €). Die roten Klebepunkte (5 €) gelten nur für dreißig Minuten, man braucht für einmal reservieren also zwei Punkte (deshalb sind auf dem Bild oben nur noch 13 Klebepunkte übrig). Sie haben mir also die falschen Klebepunkte verkauft! Quasi die halbe Leistung zum vollen Preis. Das einzige, was sie in dieser Dienststelle verkaufen, sind Klebepunkte zum Squashspielen, und die verkaufen sie dann in der falschen Farbe!
Wie gesagt, ich wohne in Italien.
Mit der gegenüber italienischen Behörden stets gebotenen Unterwürfigkeit bin ich also ein zweites Mal zur Dienststelle für Sport gefahren, um einen Umtausch der Klebepunkte zu erwirken. Das ging natürlich erst eine Woche später, am nächsten Bürger-Donnerstag. Dank Quittungsbeleg konnte ich der freundlichen Angestellten ihren Fehlverkauf nachweisen und habe tatsächlich sofort Ersatz in Form der blauen, also richtigen, Klebepunkte erhalten. Das wurde dann auf meiner Quittung vermerkt und meine Quittung kopiert – erst auf ein DIN A3-Papier, weil kein anderes mehr im Drucker war, anschließend dann noch einmal auf ein DIN A4-Papier. Und während die arme Angestellte vermutlich noch immer damit beschäftigt ist, den aus meinem Punktetausch resultierenden Verwaltungsvorgang abzuschließen, bin ich nun stolzer Besitzer von blauen Klebepunkten. Und eines blauen Fleckes auf dem Knie. Squash kann nämlich weh tun. Aber es macht Spaß.

Samstag, 12. November 2016
Ich liebe Barack Obama
In den vergangenen Tagen musste ich oft an einen schwarzen Jungen denken. Ich weiß leider nicht mehr, wie er heißt. Er war 14 Jahre alt, als ich ihn bei meiner Amerikareise im Sommer 2008 in einem Hostel in Chicago kennengelernt habe. Er trug ein T-Shirt und eine Basecap mit Obama-Bild und kam beim Frühstück an meinen Tisch, um mich für Barack Obama zu begeistern. Es war gerade die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfes, ganz Chicago war voll von Wahlwerbung. Haustüren und Autos voller Obama-Aufkleber. So einen Wahlkampf, in dem sich beinahe jeder Bürger deutlich zu seinem Kandidaten bekennt, habe ich davor und auch danach nie wieder erlebt. Der schwarze Junge hat mit einer Begeisterung von Barack Obama und von dessen Bedeutung für die Schwarzen gesprochen, die mir erst in diesem Moment begreiflich gemacht hat, wie sehr der Rassenkonflikt die USA im Sommer 2008 noch immer geprägt hat. Chicago, das vereinfacht ausgedrückt in einen weißen Norden und einen schwarzen Süden geteilt ist, symbolisiert die einstige Rassentrennung wie keine andere amerikanische Großstadt. Und dieser kleine, sympathische Junge, der selber nicht wählen durfte, hat mit seiner Begeisterung für Obama meine eigene Begeisterung für Obama noch weiter verstärkt. Ich musste ihm gestehen, dass ich nicht aus Amerika komme und folglich nicht wählen darf – aber das war ihm egal. Er hat darauf gedrungen, dass ich allen Menschen erzählen muss, wie toll Barack Obama ist und dass sie alle zur Wahl gehen sollen.
Der Junge aus Chicago ist heute 22 Jahre alt. In dem Lebensabschnitt, in dem man wohl am intensivsten politisch geprägt wird, wurde er von einem schwarzen Präsidenten regiert. Es ist schade, dass die Hautfarbe in den USA noch immer eine so große Rolle spielt, aber es freut mich für den Jungen aus Chicago, dass Obama damals gewonnen hat. Und es freut mich, dass Barack Obama acht Jahre lang Präsident war. Ich bin nach wie vor begeistert von ihm. Zugegeben, man hätte jemandem, der mit Drohnen auf die Zivilbevölkerung schießen lässt, nicht unbedingt den Friedensnobelpreis überreichen müssen. Aber die Begeisterung, die dieser Mensch mit jeder Rede aufs Neue entfachen kann; die Coolness, mit der er das wichtigste Amt der Welt ausgefüllt hat; die Überzeugung, mit der er den aussichtslosen Kampf gegen die republikanische Fundamentalopposition gekämpft hat; seine sympathische Familie; sein wunderbarer Humor – ich liebe Barack Obama. Und ich werde ihn vermissen. Und ich finde es schade, dass auf meinen deutschen Wahlzetteln noch nie ein Name gestanden ist, den ich mit solcher Überzeugung hätte ankreuzen können wie ich Barack Obama gewählt hätte.
Hillary Clinton konnte die Begeisterung, die Obama 2008 entfacht hat, nicht entfachen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sie damals als haushohe Favoritin die Vorwahlen gegen ihn verloren hat. Der sexistische, rassistische Milliardär mit dem toten Eichhörnchen auf dem Kopf hat es hingekriegt, Begeisterung zu entfachen. Er ist zum 45. Präsidenten der segregierten Staaten von Amerika gewählt worden. Das muss man nicht toll finden. Aber als Demokrat sollte man es akzeptieren. Das wütende, weiße Amerika musste acht Jahre lang einen schwarzen Präsidenten ertragen, der sich für Home-Ehe und Pflichtkrankenversicherung eingesetzt hat. Jetzt muss das intellektuelle Establishment einen islamophoben Lügner ertragen, der auf Protektionismus setzt und den Klimawandel leugnet. Ein Präsident wird es nie allen Recht machen. Aber zumindest der Mehrheit sollte er es Recht machen. Und die kann sich in vier Jahren wieder ändern. Hoffentlich.


Mehr zu meinem Chicago-Aufenthalt 2008 findet ihr hier.
Der Junge aus Chicago ist heute 22 Jahre alt. In dem Lebensabschnitt, in dem man wohl am intensivsten politisch geprägt wird, wurde er von einem schwarzen Präsidenten regiert. Es ist schade, dass die Hautfarbe in den USA noch immer eine so große Rolle spielt, aber es freut mich für den Jungen aus Chicago, dass Obama damals gewonnen hat. Und es freut mich, dass Barack Obama acht Jahre lang Präsident war. Ich bin nach wie vor begeistert von ihm. Zugegeben, man hätte jemandem, der mit Drohnen auf die Zivilbevölkerung schießen lässt, nicht unbedingt den Friedensnobelpreis überreichen müssen. Aber die Begeisterung, die dieser Mensch mit jeder Rede aufs Neue entfachen kann; die Coolness, mit der er das wichtigste Amt der Welt ausgefüllt hat; die Überzeugung, mit der er den aussichtslosen Kampf gegen die republikanische Fundamentalopposition gekämpft hat; seine sympathische Familie; sein wunderbarer Humor – ich liebe Barack Obama. Und ich werde ihn vermissen. Und ich finde es schade, dass auf meinen deutschen Wahlzetteln noch nie ein Name gestanden ist, den ich mit solcher Überzeugung hätte ankreuzen können wie ich Barack Obama gewählt hätte.
Hillary Clinton konnte die Begeisterung, die Obama 2008 entfacht hat, nicht entfachen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sie damals als haushohe Favoritin die Vorwahlen gegen ihn verloren hat. Der sexistische, rassistische Milliardär mit dem toten Eichhörnchen auf dem Kopf hat es hingekriegt, Begeisterung zu entfachen. Er ist zum 45. Präsidenten der segregierten Staaten von Amerika gewählt worden. Das muss man nicht toll finden. Aber als Demokrat sollte man es akzeptieren. Das wütende, weiße Amerika musste acht Jahre lang einen schwarzen Präsidenten ertragen, der sich für Home-Ehe und Pflichtkrankenversicherung eingesetzt hat. Jetzt muss das intellektuelle Establishment einen islamophoben Lügner ertragen, der auf Protektionismus setzt und den Klimawandel leugnet. Ein Präsident wird es nie allen Recht machen. Aber zumindest der Mehrheit sollte er es Recht machen. Und die kann sich in vier Jahren wieder ändern. Hoffentlich.
Mehr zu meinem Chicago-Aufenthalt 2008 findet ihr hier.
Mittwoch, 9. November 2016
Election Night und Mountainbike
Heute ist ein trauriger Tag, denn Donald Trump wurde zum US-Präsidenten gewählt. Orange is the new black.
Heute ist ein fröhlicher Tag, denn ich hab mir endlich ein Mountainbike gekauft. Spaß im Gelände is back.
In Summe ist heute also ein durchschnittlicher Tag.
Übrigens: wenn man auf dem Kopf von Angela Merkel eine Orange zerdrückt, schaut sie ein bisschen aus wie Donald Trump.

Heute ist ein fröhlicher Tag, denn ich hab mir endlich ein Mountainbike gekauft. Spaß im Gelände is back.
In Summe ist heute also ein durchschnittlicher Tag.
Übrigens: wenn man auf dem Kopf von Angela Merkel eine Orange zerdrückt, schaut sie ein bisschen aus wie Donald Trump.

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