Freitag, 9. Dezember 2016

Die bürokratische Herausforderung, in Bozen Squash spielen zu wollen

Ein Squashball kann bis zu 283 km/h schnell fliegen. Der bürokratische Prozess, in Bozen Squash spielen zu können, erfolgt nicht ganz so schnell.

Ja, ich spiele Squash. Nicht gut, aber das ist ja egal. Kennen und lieben gelernt habe ich es in einem kalten kanadischen Winter. Spaß macht es auch in einem milden Südtiroler Winter. Im Winter erfreuen sich Sportarten, die man in der warmen Halle praktizieren kann und die einen schnell an seine Grenzen bringen, ja generell großer Beliebtheit. Vor 30 Jahren wurden deshalb überall Squashhallen gebaut, so wie heute überall Boulderhallen gebaut werden. Squash ist sozusagen das Bouldern der 80er.

Leider stammt das Bozner Buchungssystem, falls man in diesem Zusammenhang von einem System sprechen kann, auch aus den 80ern.Und damit bin ich bei meinem Thema angelangt: Was muss ich tun, um in Bozen Squash spielen zu können? Die einfache Antwort wäre: Von zu Hause aus einen Platz reservieren, hinfahren und spielen. So funktioniert das im Rest der Welt. Aber ich wohne in Italien.

„Unsere“ Squashhalle liegt in der Reschenstraße, also vom Büro aus betrachtet am anderen Ende der Stadt. Heißt 4 Kilometer. 4 Kilometer, die man umsonst gefahren ist, wenn alle Plätze belegt sind. Also besser vorher reservieren. Vorher reservieren kann man aber nur vor Ort. Und zwar immer nur eine Woche im Voraus. Und zwar, indem man einen bunten Klebepunkt auf eine Art Stundenplan klebt. Kein Scherz. Schaut so aus:


Soweit, so rudimentär. Aber das Beste kommt noch: diese Klebepunkte muss man kaufen. Sie sind die Berechtigung, Squash spielen zu dürfen. Und die Berechtigung, eine Stunde Squash spielen zu dürfen, kostet 10 €. Ja, so ein dämlicher Klebepunkt kostet 10 €. Bei größeren Stückzahlen gibt es einen großzügigen Mengenrabatt, für 15 Klebepunkte zahlt man nur 140 €:



Keine Scherz, 140 € für ein paar Klebepunkte. Das Problem ist aber nicht der Preis, das Problem ist der Ort, an dem man sich diese Klebepunkte kaufen kann. Es gibt nur einen. Und das ist NICHT die Squashhalle. Nein, die Berechtigung, um in der Sporthalle in der Reschenstraße Squash spielen zu können, kauft man sich in der städtischen Dienststelle für Sport in der Lanciastraße, 3 Kilometer entfernt in der Industriezone. Zu den Zuständigkeiten der Dienststelle für Sport zählt laut Website (ja, die haben Internet!) unter anderem die „Verwaltung der in Sportanlagen durchgeführten Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit dem Amt, das für die Instandhaltung derselben zuständig ist“. Logisch. Und aus irgendeinem Grund ist ihre Zuständigkeit auch der Verkauf der Squash-Klebepunkte. In der Sporthalle gäbe es schon auch Angestellte, die ihr Büro im Eingangsbereich haben und physisch wie intellektuell in der Lage wären, Klebepunkte zu verkaufen. Sie dürfen das aber nicht. Es ist da wohl in der Vergangenheit zu gewissen Unregelmäßigkeiten gekommen. Wie gesagt, ich wohne in Italien.

Man muss also zur Dienststelle für Sport fahren, um Klebepunkte zu kaufen, mit denen man in die Reschenstraße fahren kann, um einen Platz zu reservieren um irgendwann dann nochmal in die Reschenstraße zu fahren, um endlich Squash spielen zu können. Logisch. Einziges Problem an der Sache: die Öffnungszeiten der Dienststelle für Sport. Mo, Di, Mi, Fr 9-12 Uhr. Das deckt sich wunderbar mit den Kernzeiten, zu denen ich unbedingt im Büro sein muss (wie gesagt, ich wohne in Italien). Zum Glück gibt es aber den „Bürger-Donnerstag“. Und zum Glück ist jeden Donnerstag Bürger-Donnerstag. Das heißt: die Ämter haben länger auf. Das heißt: bis 13 Uhr (und dann nochmal von 14-17:30 Uhr). Donnerstags in der Mittagspause ist also die einzige Möglichkeit, zur Dienststelle für Sport zu fahren und diese dämlichen Klebepunkte zu kaufen.

Gesagt, getan: Ich bin hingefahren, hab mir die oben gezeigten Klebepunkte gekauft und mir den Kauf quittieren lasse. Voller Vorfreude wollte ich in der Reschenstraße am Stundenplan für eine Stunde einen Squashplatz reservieren – ging aber leider nicht: Um eine Stunde reservieren zu können, braucht man einen blauen Klebepunkt (10 €). Die roten Klebepunkte (5 €) gelten nur für dreißig Minuten, man braucht für einmal reservieren also zwei Punkte (deshalb sind auf dem Bild oben nur noch 13 Klebepunkte übrig). Sie haben mir also die falschen Klebepunkte verkauft! Quasi die halbe Leistung zum vollen Preis. Das einzige, was sie in dieser Dienststelle verkaufen, sind Klebepunkte zum Squashspielen, und die verkaufen sie dann in der falschen Farbe!

Wie gesagt, ich wohne in Italien.

Mit der gegenüber italienischen Behörden stets gebotenen Unterwürfigkeit bin ich also ein zweites Mal zur Dienststelle für Sport gefahren, um einen Umtausch der Klebepunkte zu erwirken. Das ging natürlich erst eine Woche später, am nächsten Bürger-Donnerstag. Dank Quittungsbeleg konnte ich der freundlichen Angestellten ihren Fehlverkauf nachweisen und habe tatsächlich sofort Ersatz in Form der blauen, also richtigen, Klebepunkte erhalten. Das wurde dann auf meiner Quittung vermerkt und meine Quittung kopiert – erst auf ein DIN A3-Papier, weil kein anderes mehr im Drucker war, anschließend dann noch einmal auf ein DIN A4-Papier. Und während die arme Angestellte vermutlich noch immer damit beschäftigt ist, den aus meinem Punktetausch resultierenden Verwaltungsvorgang abzuschließen, bin ich nun stolzer Besitzer von blauen Klebepunkten. Und eines blauen Fleckes auf dem Knie. Squash kann nämlich weh tun. Aber es macht Spaß.




Kommentare:

  1. Ich habe Tränen gelacht! Herzlichen Dank für den Bericht!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Echt, du hast gelacht? Ich hab mich voll aufgeregt :-P

      Löschen